Flusser Club e.V.

Flusser

Vilém Flusser (*12. Mai 1920, † 27. November 1991) war ein Kommunikationsphilosoph, Medien- und Kulturtheoretiker.

Wozu Flusser?

Flussers Denken regt neues Denken an, seine Geschichten berühren und treffen uns im Hier und Jetzt. Sein Werk bewegt sich in einem breiten Themenspektrum rund um den Umbruch der menschlichen Kommunikationsstrukturen, die Krise der Schrift, Politik und Wissenschaften, die Transformation der Medienkultur und den immer wieder neuen Umgang mit Technik. Seine Art Medien-, Kommunikations- und Menschheitsgeschichte in pluralen Geschichten und verschiedenen Sprachen zu erzählen, überschreitet die Grenzen von Wissenschaft, Kunst und Philosophie. Flussers Werk bleibt aktuell, fasziniert und inspiriert bis heute ein weltweit verstreutes Netzwerk von Forschern, Künstlern und Publizisten.

Zur Person

1939 flieht Vilém Flusser vor den Nationalsozialisten aus seiner Heimatstadt Prag über London und emigriert nach São Paulo, Brasilien. 1972 übersiedelt er nach Italien und lässt sich wenig später in Robion in Südfrankreich nieder. In São Paulo macht sich Flusser ab 1959 einen Namen als Dozent für Wissenschaftsphilosophie, ab 1964 als Professor für Kommunikationstheorie und Kommunikationsphilosophie, nicht zuletzt aber durch seine essayistischen Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften ab 1960. In den 1970er und 1980er Jahren lehrt Flusser an französischen Institutionen, Universitäten und Kunsthochschulen in Aix-en-Provence, Arles, Marseille und Paris. Ab 1983 gelingt Flusser mit dem Buch Für eine Philosophie der Fotografie der Durchstart seines publizistischen Erfolgs, dessen Wellen bis zu seinem Unfalltod 1991 immer höher schlagen und ihn zu einem gefeierten Denker seiner Zeit machen.

Zu Flussers Werk

In Brasilien veröffentlicht Flusser ab 1960 neben über 250 Artikeln, Essays und Glossen in Zeitungen und Zeitschriften seine ersten drei Bücher Língua e realidade (1963), A história do diabo (1965) und Da religiosidade (1967). In den ersten zehn Jahren nach Flussers Übersiedelung zurück nach Europa werden neben weiteren 100 Essays in portugiesischer, französischer, deutscher und englischer Sprache und kleineren Schriften, wie Le monde codifié (1974), die Bücher La Force du Quotidien (1973) in Frankreich und Natural:mente (1979) in Brasilien publiziert. Mit dem durchschlagenden Erfolg von Flussers Buch Für eine Philosophie der Fotografie (1983), das bereits zu seinen Lebzeiten in neun, bis heute in 23 Sprachen übersetzt wurde, folgen bis 1991 neben über 300 Essays sieben Bücher in 17 Sprach- und Auflagen-Fassungen: Pós-História (1983), Ins Universum der technischen Bilder (1985), Die Schrift (1987), Vampyroteuthis infernalis (1987), Angenommen (1989) und Gesten (1991).

Nach Flussers Tod wurden ab 1992 bis heute weitere sechs seiner Buchprojekte in 92 Sprach- und Auflagen-Fassungen veröffentlicht: Bodenlos (1992), Vom Subjekt zum Projekt (1994), Brasilien oder die Suche nach dem neuen Menschen (1994), Umbruch der menschlichen Beziehungen als „Kommunikologie“ (1996), A Dúvida (1999) und Até a teiceira e quarta geração als „Gerações“ (2017). Zudem wurden über 200 Essays in 14 Sprachen und nicht zuletzt bislang 26 Schriften und Anthologien in 40 Übersetzungsfassungen posthum publiziert, wie z.B. Vom Stand der Dinge (1993), Von der Freiheit des Migranten (1994) und Medienkultur (1997).